Die Website “Grüne Vorwahlen” ist ein Projekt von Grünsympathisanten und kein offizielles Angebot der Grünen. Dahinter stecken wir:
Wichtiger Hinweis: Wir stecken zwar viel Freizeit und Arbeit in diese Idee und in diese Website, bitten jedoch darum uns nicht mit SprecherInnen der Grünen VorwählerInnen zu verwechseln! Es geht nicht darum, dass sich die Grünen mit uns dreien, sondern mit ihren WählerInnen auseinander setzen. Und da gibt ebenso viele Stimmen und Meinungen wie es Grüne SympathisantInnen gibt - also: Ohren auf und dem Grünen (potenziellen) Wahlvolk gelauscht!
Das Projekt “Grüne Vorwahlen” startete lediglich hier und hat sich mittlerweile an vielen Orten im Web fort gesetzt: Siehe auch Reaktionen.
Helge Fahrnberger
“Vor der letzten Landtagswahl in Wien fragte mich eine befreundete Grüne, die sich als Kandidatin aufstellen lassen wollte, ob ich nicht eine Unterstützungserklärung abgeben könnte, um sie auf der Landesversammlung zu wählen. Ich sah darin keinen Sinn für mich - fand aber löblich, dass die Grünen (theoretisch..) auch Nicht-Mitglieder mitstimmen lassen.
In den letzten Monaten ist viel passiert, was mich als Grünwähler an den Grünen stört: Die nicht gezogenen Schlüsse aus der Nationalratswahlen im Herbst beispielsweise oder verpasste Chancen bei der Europawahl.
Am Tag nach der Nationalratswahl habe ich skizziert, wie ein partizipativer Wahlkampf der Grünen für mich ausschauen müsste:
Wo waren die [20 Mandatare] im Wahlkampf? Wer sind die überhaupt? Während des ganzen Wahlkamps waren sie beispielsweise auf der Grünwebsite kaum auffindbar, geschweige denn irgendwo als Person präsent. (Und bitte kommt mir jetzt nicht mit Presseaussendungen und Ständen in Fußgängerzonen - das ist sowas von antiquiert, davon krieg’ ich Ausschläge.)
Wo sind die öffentlichen Hearings, die Personen-vor-wahlkämpfe um die besten Listenplätze? Wo sind die innovativen Quereinsteiger wie parteifreie Solarenergieunternehmer, Koriphäen aus Wissenschaft und Wirtschaft oder junge, smarte Studenten?
Dazu stehe ich noch immer. Und da die Grünen das nicht selber machen, probieren wir das jetzt von außen - und rufen “Grüne Vorwahlen” aus. Wenn ich alleine zur Landesversammlung gehe, bringt das nach wie vor nichts. Aber sind wir ein paar Hundert, dann gibt’s vorher einen öffentlichen Wahlkampf um die Stimmen von uns allen - und damit haben die besten Köpfe die besten Chancen. Zwingen wir die Grünen zu mehr Offenheit!
PS. Nur um der Frage zuvorzukommen: Ich schließe aus, selbst zu kandidieren.”
Jana Herwig
“Seit knapp der Häfte meines Lebens darf ich wählen - und werde mit jedem Jahr politikverdrossener. Statt echter Debatte bieten Wahlkampfzeiten meist nur Parolen, reißerische Rhetorik und vollmundige Versprechen, von denen niemand mehr erwartet, dass sie überhaupt ernst gemeint sind. Und irgendwo auf dem Weg von der Urne zur realen Politik scheint sich das Gewicht meiner Stimme in ein gefühltes Nichts aufzulösen.
Auch von meiner eigenen Politikverdrossenheit bin ich mittlerweile schon verdrossen - doch ich möchte nicht erst in eine Partei eintreten müssen, um als politisches Subjekt gelten zu dürfen. Die ‘Grünen Vorwahlen’ trage ich mit, weil ich an die Möglichkeiten des Webs zur Bürgerbeteiligung glaube. Am demokratischen Prozess nimmt bereits teil, wer seinen Freunden einen Link zu einer Seite wie dieser hier schickt, oder wer auf Blogs einen Kommentar zu gesellschaftlichen Debatten hinterlässt. Was mich an der Idee ‘Grünen Vorwahlkampf’ am meisten überzeugt: Wer will, kann Unterstützer bzw. Unterstützerin der Grünen werden und die Gemeinderatskandidaten bei der nächsten Landesversammlung mitwählen. Ohne Parteimitgliedschaft - so steht es in den Statuten der Grünen. Wir organisieren uns unabhängig im Netz - und das gefällt mir.”
Martin Schimak
“Es stimmt zweifellos, dass den Grünen gemäß unserem Slogan Veränderung ganz guttäte, gleichzeitig ist unsere Aktion für mich aber auch ein Kompliment an die Grünen: ihre Strukturen sind bereits heute so demokratisch und durchlässig, dass sie unser aller Teilnahme ermöglichen. Mit gelebter Öffnung hin zu den eigenen Wählerinnen und Wählern können die Grünen zu einer wichtigen, ein positives Beispiel gebenden Bewegung für das Aufbrechen der verkrusteten Strukturen unserer Republik werden. Eigentlich ist es daher für mich die nicht mehr zeitgemässe österreichische Parteiendemokratie, die dringend einer Veränderung bedarf: hin zu viel aktiverer Gestaltung durch Bürgerinnen und Bürger.
Die grünen Vorwahlen unterstütze ich gerne, weil ich mir den Traum erlaube, dass wir eines Tages Volksvertretungen und Parlamente haben können, in denen Menschen sitzen, deren Mandate nicht nur vom Gehorsam gegenüber der jeweiligen Partei abhängen. Ich möchte in Österreich Parlamente sehen, in die man schlicht und einfach deshalb gewählt wird, weil man besondere politische Begabungen aufweist - und dazu gehört es eben auch, uns “stinknormalen” Wählerinnen und Wählern die eigenen politischen Motivationen erklären zu können. Solche Volksvertretungen wären glaub’ ich kaum wiederzuerkennen - ihre Mandatarinnen und Mandatare wären frei in einem gemessen an Österreichs heutiger Realverfassung ziemlich spektakulär neuen und wahren Sinn dieses Wortes.
Vielleicht wird ein Stück dieses Traums irgendwann ja doch Realität. Und deshalb find ich es wichtig, dass wir nicht nur motschkern, sondern was tun.”
Am 31.7.2009 habe ich meine Rolle als aktiver Mitinitiator der “Grünen Vorwahlen” beendet, die mir zuerkannte Unterstützung der Wiener Grünen zurückgelegt und in meinem Blog begründet warum ich kein Grüner (mehr) bin.
Fotos: Daniel Gebhart (2), Karola Riegler
