Zum Aufgeben ist es noch zu früh

Derzeit herrscht leider etwas Verwirrung darüber, wie viele VorwählerInnen denn nun aufgenommen, abgelehnt oder einer weiteren Prüfung per Mail unterzogen wurden. Landesgeschäftsführer Robert Korbei hat zwar versichert dazu Zahlen zu präsentieren, aber wann steht wiederum in den Sternen. Bis dahin gilt die Aussage vom ehemaligen Landessprecher Lukas Wurz gegenüber derstandard.at, dass sich Aufnahmen und Ablehnungen ungefähr die Waage halten werden. Welche Möglichkeiten haben nun abgelehnte VorwählerInnen? Wir empfehlen jedenfalls Punkt 2 und 4.

1. Drauf pfeifen

Eine verständliche Reaktion. Immerhin kann man davon ausgehen, dass man für die Wiener Grünen nicht gut genug ist und lediglich als Staffage auf einem VorwählerInnen-Kongress teilnehmen darf, der die Möglichkeiten einer Vorwahl für die Gemeinderatswahl 2015 behandelt, was in Anbetracht dessen, dass 2010 noch eine Gemeinderatswahl dazwischen ist, doch ziemlich zynisch anmutet. Zum Aufgeben ist aber noch zu früh. Die Grünen Vorwahlen sind auch ein Versprechen an die Grünen, diese zu stärken und zu verbessern. Da sollte eine ungerechtfertigte Ablehnung nur ein kleiner Rückschlag sein.

2. Nochmal einen Antrag auf UnterstützerInnen-Status stellen

Nichts hindert daran, einen Antrag nochmal zu stellen. Es wurde ein neuer Landesvorstand gewählt und diesem ist es bestimmt ein großes Anliegen, den Kreis der SympathisantInnen zu erweitern und die Wiener Grünen basisdemokratisch zu stärken. Laut Statut muss man 4 Monate vor einer Landesversammlung aufgenommen werden, um dort auch stimmberechtigt zu sein. Das heißt es wäre also noch bis 15. Juli Zeit. Abgelehnte VorwählerInnen, die diese Variante in Erwägung ziehen, sollten Ihren Antrag diesmal auf dem offiziellen Vordruck erstellen, alles schön leserlich, in einer möglichst unverwechselbaren Schrift geschrieben, ordnungsgemäß ausgefüllt und am besten eingeschrieben direkt an die Grünen schicken. Ganz Fleißige könnten noch ein persönliches Motivationsschreiben und Lebenslauf anfügen, wie es sich bei einer ordentlichen Bewerbung eben so gehört. Von der Argumentationslinie würde sich der neues Landesvorstand sehr schwer tun, solche Anträge abzulehnen. Es gibt bereit einen Bericht eines Vorwählers, der zuerst abgelehnt und mit dem offiziellen Vordruck angenommen wurde.

3. Anrufung des Friedensgerichts

Wie in jedem Verein gibt es auch bei den Grünen ein Schiedsgericht. Dem unterliegen laut Statut die Entscheidung über Streitigkeiten zwischen Mitgliedern und UnterstützerInnen und Gremien. Als abgelehnte Unterstützerin oder Unterstützer hat man also prinzipiell kein Recht, das Friedensgericht anzurufen, aber das können andere Mitglieder oder bereits angenommene VorwählerInnen für Dich tun. Da ich die internen Gepflogenheiten der Grünen nur wenig kenne, weiß ich nicht wie sinnvoll so ein Weg wäre. Robert Korbei behauptet, dass das Friedensgericht solche Entscheidungen gar nicht aufheben kann. Ich bin kein Jurist, aber darüber habe ich jedenfalls nichts im Statut der Wiener Grünen gelesen. Die Anrufung des Friedensgerichts ist aber jedenfalls eine sehr komplizierte und langwierige Sache. Auch wenn man sich für Möglichkeit 2 oder 4 entscheidet, ist es jedenfalls trotzdem möglich, parallel das Friedensgericht anzurufen.

4. Mitglied werden

Die Klubobfrau der Wiener Grünen Maria Vassilakou hat den wahrscheinlich einfachsten Weg in einem sehr guten Interview mit ichmachpolitik.at aufgezeigt. Darin bat sie alle Abgelehnten doch Mitglied der Wiener Grünen zu werden. Potenzielle Mitglieder unterliegen anscheinend einem anderem Initiationsritus als UnterstützerInnen und werden meines Wissens zu einem persönlichen Gespräch in den Landesvorstand eingeladen. Keine Ahnung wie dieses Gespräch dort abläuft, ob als Prüfung über die Inhalte der reinen grünen Lehre oder als Gesinnungscheck oder reines Informationsgespräch über die Möglichkeiten für neue Mitglieder. Für Mitglieder besteht übrigens keine Beitrittsfrist, das hieße eine Aufnahme am 14. November berechtigt immer noch zur Teilnahme an der Landesversammlung am 15. November. Realistischerweise sollte man aber für die Abgabe der Beitrittserklärung spätestens den 15. Oktober ins Auge fassen.

Das alles steht unter dem Vorbehalt, dass der Landesvorstand der Wiener Grünen natürlich jederzeit die Spielregeln ändern könnte,. Letztlich läuft es auf die Frage hinaus, ob man die Wiener Grünen aufgeben möchte oder nicht. Aber zum Aufgeben ist es noch zu früh.

Übernommen und aktualisiert von: http://www.baeck.at/blog/2009/06/22/welche-moeglichkeiten-haben-abgelehnte-gruene-vorwaehler/

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12 Kommentare

  1. Matthias
    Erstellt am 2. Juli 2009 um 14:12 | Permanent-Link

    Ist es normal, dass ich noch gar nichts gehört habe? also weder zu- noch absage?

  2. Dan
    Erstellt am 2. Juli 2009 um 14:33 | Permanent-Link

    Matthias: Eher nicht. Die meisten Leute, von denen ich weiß, haben in den letzten Wochen Zu- oder Absagen oder zumindest die “Gesinnungsprüfung” bekommen. Wenn du noch gar nichts gehört hast würde ich mich an deiner Stelle an die Grünen wenden und nach dem Status des Antrags fragen.

  3. Florian
    Erstellt am 2. Juli 2009 um 14:34 | Permanent-Link

    @Matthias: Geht mir genau so, ich habe noch gar nichts gehört.

  4. Erstellt am 3. Juli 2009 um 15:55 | Permanent-Link

    Gerade erst bekommen per Mail http://bit.ly/8dTOo, aber schier eine Willkür, da denke ich auch, soll ich mich freuen, dass ich dabei bin, oder soll ich mich eher ärgern, dass die Auswahl nicht transparent und nachvollziehbar ist.

  5. heidihu
    Erstellt am 4. Juli 2009 um 16:13 | Permanent-Link

    das kann ja nur ein schlechter scherz sein, zu behaupten sie nehmen mich nicht an, weil ich ein formular nicht verwendet habe dass offensichtlich nimmer am grünen server is:

    > http://wien.gruene.at/Beitrittsformular_2009-1.pdf >
    Fatal error: Cannot create references to/from string offsets nor overloaded objects in /home/www/htdocs/typo3conf/ext/pdf_generator2/html2ps/config.parse.php on line 49

    - sorry, beim 10ten versuch konnt ichs jetzt doch runterladen … aber wer is schon so hartnäckig im normalfall …

  6. Werner Pilz
    Erstellt am 6. Juli 2009 um 11:14 | Permanent-Link

    Hab inzwischen auch eine positive Antwort bekommen, aber wie Meral schreibt, wärs mir wesentlich lieber wenn ich wüßte warum. Dass dieser Prozess alles andere als transparent ist zeigt dass auf die Grünen eine Menge Arbeit wartet, wenn sie sich auch im Management positiv von anderen Parteiene abheben möchten. Ich hoffe keine(r) haut den Hut drauf, dazu finde ich die Initiative viel zu wichtig. Wir sollten jetzt solidarisch handeln, z.B. uns überlegen, wie die Wünsche der diesmal Abgelehnten von den Angenommenen repräsentiert werden können.

  7. Matthias
    Erstellt am 6. Juli 2009 um 12:41 | Permanent-Link

    Hab auch grad eine Email mit leider nein erhalten. Fast so spannend wie ein Brieflos. Weiss noch nicht was ich jetzt tu. Zahlt es sich noch aus einen neuen Antrag mit dem original Grünen wisch zu stellen?

  8. Erstellt am 6. Juli 2009 um 13:10 | Permanent-Link

    @matthias Ja, am besten gleich wegfaxen. Meines Wissens ist heute die letzte Landesvorstandssitzung vor der Sommerpause. Wenn das nicht klappt, gibt es immer noch die Möglichkeit Mitglied zu werden.

  9. adi
    Erstellt am 7. Juli 2009 um 02:02 | Permanent-Link

    @Gerald:

    muss man als Mitglied eigentlich einen Mitgliedsbeitrag bezahlen, oder kann man auch gratis Mitglied sein?

  10. Dan
    Erstellt am 7. Juli 2009 um 02:25 | Permanent-Link

    man kann den Mitgliedsbeitrag frei wählen-0€ sind auch eine Möglichkeit.

  11. Oliver
    Erstellt am 8. Juli 2009 um 08:29 | Permanent-Link

    Also ich war gestern bei einem Open House in der Lindengasse, wo auch viele VorwählerInnen dabei waren. Wir haben eigentlich sehr offen und klar diskutiert.
    David Ellensohn hat auch zugegeben, dass die ganze Sache schlecht abgelaufen ist, da die partei mit 800 Anträge (sonst im Jahr 2!) schlichtweg überfordert war. Schließlich haben die Wr. Grünen ja nur um die 2000 Mitglieder, von denen aber nur so 700 zu den Landesversammlungen kommen. Dass da einige ins grübeln gekommen sind, ist glaube ich niemand zu verdenken.
    Die gegenseitigen (!!) Anschuldigungen und Abwertungen (Internetfuzzi, Infostandwappler, etc.) haben dann auch nicht wirklich geholfen.

    Jetzt ist es aber echt an der Zeit wieder gegenseitigen Respekt zu zeigen und Vertrauen in die jeweils andere Seite zu haben, schließlich sollte unser gemeinsames Ziel ja wohl sein, die Grünen zu stärken!

    Nach den gestigen Ausführungen bin ich da echt zuversichtlich was den Listenerstellungsprozess betrifft. Die KandidatInnen werden sich sehr umfangreich (auch im Netz) präsentieren müssen, so dass wir alle uns ein gutes Bild machen können.

    Grundsätzlich zu klären bleibt natürlich die Frage, wie offen die Wr. Grünen sein wollen und können. Dazu braucht es wohl einen längeren Diskussionsprozess, schließlich setzt sich keine andere Partei mit solchen Fragen auch nur wirlich auseinander.
    Ich könnte mir gut vorstellen, dass in Zukunft die Statutenabstimmungen und Wahlen zu Parteifunktionen als “vereinsrechtlicher” Teil den Mitgliedern vorbehalten bleiben. Die MandatarInnen aber offen gewählt werden können. Vielleicht in dem man sich 1 Monat vorher in einer öffentlichen Liste registirert (ähnlich USA) oder so.

  12. Erstellt am 8. Juli 2009 um 08:35 | Permanent-Link

    >Ich könnte mir gut vorstellen, dass in Zukunft die Statutenabstimmungen und
    >Wahlen zu Parteifunktionen als “vereinsrechtlicher” Teil den Mitgliedern
    >vorbehalten bleiben. Die MandatarInnen aber offen gewählt werden können.

    Soweit ich weiß, ist das jetzt schon so, dass Unterstützer nur bei den Mandaten mitstimmen dürfen. Bei Statutenänderungen und Funktionären sind nur Mitglieder stimmberechtigt. Bitte mich zu korrigieren, falls ich da falsch liege.

3 Trackbacks

  1. Von Es wiehert der Amtsschimmel | BäckBlog am 2. Juli 2009 um 21:14

    [...] sollte gleich nochmal das in den Augen des Landesvorstans richtige Formular abschicken oder eine dieser Maßnahmen [...]

  2. [...] möchte. Es gibt aber neben meinen für mich gültigen Gründen aufzuhören auch sehr gute Gründe weiterzumachen. Und ich wünsche mir das auch, dass alle, für die das persönlich “funktioniert” da [...]

  3. [...] die im Zuge der “Grünen Vorwahlen” abgelehnt wurden. Aber davon ließ er sich nicht entmutigen. Das ist nicht die Geschichte, die mich zu seinem Blog führte, das kannte ich schon [...]

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