Folgenden Text hat uns Robert Korbei, Landesgeschäftsführer der Wiener Grünen, mit der Bitte um Veröffentlichung geschickt. Ich freue mich sehr über diesen Schritt, der meines Erachtens den ehrlichen Wunsch zeigt, sich mit (Vor)WählerInnen und unseren Anliegen auseinanderzusetzen. Ein Ziel der Initiative war ja immer, eine offene Diskussion über demokratische Prozesse im Allgemeinen und über die der Grünen im Besonderen auszulösen. Hier der Brief:
Liebe Vorwählerinnen
Ein Danke für eure Initiative. Ihr habt uns, zwar zu einem etwas ungünstigen Zeitpunkt (EP Wahlen und strategische Debatte für die Wienwahlen), aber wann ist schon der richtige Moment, gezwungen uns mit dem Kern unserer Identität und der Frage wie wir Grüne uns entwickeln wollen, auseinanderzusetzen. Und, so viel ist klar, ihr habt Interesse an den Grünen.
Ich sehe in eurer Initiative für alle Beteiligten große Chancen und kann der Idee und den Argumenten von Vorwahlen vieles abgewinnen. Das ist aber nicht der Inhalt dieses Beitrags, muß aber wohl am Anfang gesagt werden.
Ihr und so manche beginnen sich zu fragen, was denn da bei den Grünen intern besprochen wird und warum das so lange dauert. Nun, es wird gesprochen und ja, es dauert lange. Warum das so ist, erklärt sich gemeinsam mit allen anderen Sachen und ist hoffentlich für die, die es schaffen das hier zu Ende zu lesen, ein bischen nachvollziehbarer. Aber ich habe den Eindruck, dass man sich beim Stellung nehmen im Internet nicht wirklich kurz halten muß. Ausser beim Twittern, vielleicht. Ich werde hier also versuchen das zu machen was ich sonst eh nicht mehr darf, weil dann alle ein bischen mit den Augen rollen: die Welt aus meiner Sicht erklären, die Grüne und ihre Vorwahlen in diesem Fall, den Diskussionsstand.
Wir Grüne haben unter anderem folgendes Problem: Obwohl wir uns nicht als Bewegung verstehen, deren primäres Ziel es ist Wahlen zu gewinnen und sich an Regierungen aller Art zu beteiligen, so bleibt uns doch nichts anderes übrig. Aber als Weg der ein Ziel ist und nicht mit „Der Weg ist das Ziel“ verwechselt werden soll. Diese Situation merkt man von den ÖH Exekutiven bis zu den Anstrengungen die es bedeutet wenn Grüne in Koalitionsverhandlungen in Bundesländern oder Bundesregierungen gehen. Und es löst einen ständigen Diskussionsprozess in jeder und jedem Einzelnen aus wie auch dann wenn sich mehr als ein Grüner treffen. Und das macht es für uns auch schwierig auf Argumente ein zu gehen, die im Kern sagen „wenn ihr dieses oder jenes nicht macht werde ich oder sonst wer euch nicht wählen“. Die Abgrenzung zur, zugegebenermaßen Extremform, der „Kronenzeitungspolitik“ ist uns sehr, sehr wichtig.
Wir Grüne glauben in der Mehrzahl nicht, dass wir die alleinige Wahrheit besitzen. Aber wir glauben, dass es eine Meinung gibt für die es sich lohnt zu streiten, auch innerhalb der Grünen muß da gestritten werden. Und mehr als alle Grundwerte und verteilte Folder ist es die Bereitschaft genau das zu tun, die Menschen zu Grünen macht.
Demokratie ist eine gute Methode zur Entscheidungsfindung. Basisdemokratie ist für mich die Umsetzung des Ansatzes: „Das Ganze ist mehr als die Summe der Teile“.
Aus demokratischen Gründen sind wir Grüne überzeugt davon, dass Politik nicht über Einzelpersonen zu organisieren ist, sondern über Organisationen. Wobei Parteien eine Form dieser Organisation ist und in einer besseren Welt wären sie vielleicht nicht mehr notwendig, finde ich. Und die Krise der Demokratie ist ein Krise der Gesellschaft im Ganzen und nicht der Parteien.
Es sei jeder und jedem überlassen wie sie oder er mit der Genderfrage umgeht. Aber die Grünen sind eine Organisation, eine Struktur. Und als solche merken wir, dass Frauen, selbst bei uns, strukturellen Nachteilen ausgesetzt sind, die wir nicht so einfach ändern und abstellen können. Daher ist es dann, wenn wir als Grüne auftreten, mehr als wichtig, dass wir sehr und für manche mehr als korrekt auftreten. Im Kern bekennen wir uns in der Regel nicht zu einer Gleichberechtigung sondern zu einer Förderung von wie auch immer Diskriminierten.
Unser Statut besagt, dass es Mitglieder gibt mit allen Rechten und Pflichten und Unterstützerinnen. Und tatsächlich geht es dabei formal um die Grundwerte und unformal um die Bereitschaft sich „einzubringen“. Der betreffende Passus lautet:
5.7.1 Wer der Landespartei gegenüber erklärt, dass sie/er sich mit den Grundsätzen und dem Programm der GRÜNEN - GRÜNE ALTERNATIVE WIEN einverstanden erklärt und bei der Partei mitarbeiten und mitentscheiden will, ohne Parteimitglied zu sein, erwirbt mit Aufnahme durch den Landesvorstand den Status einer Unterstützerin/eines Unterstützers.
Wobei, wie unsere interne Diskussion gezeigt hat, der Haken an Vorwahlen die Mitarbeit bei der Partei ist. Mit anderen Worten: Wir freuen uns, wenn wer auch immer wo und wie auch immer Grüne Inhalte vertritt, für sie kämpft, verteidigt, eintritt, lebt. Aber das ist aus unserer Sicht eine Entscheidung die jede und jeder für sich trifft und, so sind wir auch überzeugt, etwas davon hat. Aber es ist keine Mitarbeit bei der Partei.
Im Normalbetrieb haben wir im Vorstand 2 Menschen die um Aufnahme ansuchen. Dabei hat noch nie und wird auch nie, eine Gewissensprüfung stattgefunden. Aber es wurde, nicht ausführlich aber doch, jeder Name einzeln behandelt. Nun haben wir über 300 Anmeldungen auf einen Haufen bekommen. Das stellt uns vor neue Fragen und daher suchen wir nach neuen Antworten und das dauert im Moment, gerade weil wir wissen, dass wir heute Entscheidungen treffen, die uns dann Maßstäbe für die Zukunft setzten. Daher versuchen wir auch einzuschätzen was die Zukunft bringt, an Chancen und Risken. Und für ihre Schnelligkeit waren die Grünen auch bisher nicht bekannt.
So weit so grün.
Wie ich ja beim Besuch der Initiatorinnen im Vorstand gesagt habe, hat sich die Initiative Vorwahlen im schwierigsten Bereich der Grünen Innenpolitik eingemischt: die Mandatsvergabe. Hier geht es um Macht, Ressourcen, Richtungsentscheidungen und um Lebensentwürfe. Und das wissen alle Beteiligte. Gerade das teilweise intensive agieren derer die die Vorwahlen unterstützen zeigt, dass sie es sehr genau wissen.
Aus diesem Grund hättet ihr, wären die Wiener Grünen tatsächlich eine geschlossenen und normale Partei schon nach einer Woche eine eindeutige und negative Antwort bekommen. Ich ersuche auch wahr zu nehmen, dass die Wiener Grünen seit Jahren eine stetig wachsende Anzahl an Mitgliedern und Unterstützerinnen haben. 2008 haben wir so irgendwas 200 neue Menschen aufgenommen. Ein in sich geschlossenes Projekt sieht anders aus.
Warum hat niemand vor dem Start der Initiative Kontakt mit uns aufgenommen? Die bisherige Antwort war, dass ihr euch nicht bevormunden lassen wolltet. Schon klar, dass ihr das nicht wollt, aber wie kommt ihr auf die Idee das dass stattgefunden hätte? Diese Antwort sagt, wie so oft, mehr über eure Herangehensweise aus, als über uns. Abgesehen davon, dass es uns vielleicht gelungen wäre diesen Titel „Vorwahlen“ abzuändern, der bis heute für Misverständnisse sorgt.
Ich bin ja bis zu einem gewissen Grade ein klassisches Gegenstück: Anfang Zwanzig zu einer Bezirksgruppe gestoßen habe ich dann dort die Finanzen geschupft, die Zeitung mitgemacht und natürlich auf der Straße Wahlgekämpft und Folder und Punsch verteilt, weil das war dann ja der Winterwahlkampf 95 (Und wer dabei war wie die Nelly Bohl mit ihren 81 Jahren beim Punschkochen für ihr Rezept gekämpft hat wird immer wissen was Partei auch ist). Und dann habe ich Plakatständer in der Nacht geschleppt und die Finanzen der Landespartei geschupft. Und dann wurde ich 2001 Landesgeschäftsführer. Mit anderen Worten: Funtionärer geht nicht. Und damit war ich mehr oder weniger beobachtend bei so machen Inititativen dabei, auch von Grünen die auch jetzt noch oder wieder mitmischen. Daher können ich und andere nicht anderes als Vorwahlen auch als das zu betrachten was es ist: Mittel zum Zweck
Unser Wissensstand ist es, dass die ganze Sache einige Zeit lang geplant war unter zumindest teilweiser Informationshaltung von wenigen Grünen, vor allem Abgeordneten im Gemeinderat. Es wurden „Probeanmeldungen“ abgeschickt um zu sehen wie der Vorstand mit Unterstützerinnen tut. Es gab, wie gesagt, keine Vorinformation und dort wo es Debatten gibt leben sich Grüne und Vorwahlen insofern auseinander, weil es, wahrscheinlich von beiden Seiten, aber in diesem Absatz geht es um Vorwahlen, sehr wenig Bereitschaft gibt, über das Festgelegte hinaus zu gehen. Insbesondere keine substantielle Bereitschaft zu verstehen, dass die Tonalität von Vorwahlen eine starke Kritik an vielen Grünen ist. Und es ist schwierig zu verstehen wie man Teil von etwas werden will, wovon man sich so strikt abgrenzt.
Seit dem Besuch im Vorstand herrscht, bis auf zwei Telefonaet, ofizielles Schweigen von beiden Seiten. Warum, wenn ich Grüne bewegen will? Auch bei den von mir gelesenen Beiträgen im Internet wird nicht mit uns kommuniziert, sondern die Grünen kommentiert.
Also, das macht alles nicht wirklich den besten Eindruck.
Dabei ist noch gar nicht beleuchtet was, aus unserer Erfahrung, aus eurer Initiative in Zukunft alles werden kann. Das kann man euch tatsächlich nicht umhängen, obwohl es für uns natürlich von Bedeutung ist. Es gibt sie einfach nicht, die besseren Menschen.
Wir werden also noch eine Zeit zum Diskutieren brauchen und werden dabei sein was wir sind: ein Partei, wenn auch die der Wiener Grünen.

32 Kommentare
Lieber Robert, danke für deine offenen Worte!
Ich glaube, es wird jeder verstehen, dass der “Job”, den ihr im Landesvorstand jetzt habt, zum Teil durch uns verursacht, kein einfacher ist.
Außerdem kann man den Grünen meines Erachtens gar nicht hoch genug anrechnen, dass diese Möglichkeit der Partizipation (deren genaue Definition halt jetzt ansteht) überhaupt existiert. Alle anderen Parteien würden ihre Wähler mit einem Vorwahl-Anliegen mit dem nassen Fetzen davonjagen. Zur Aussage, die öffentliche Debatte rund um die Personalwahl für Kandidatenliste und die Wahl selbst an einem Novembersonntag sei keine “Mitarbeit” - das sehen viele anders, auch Grün-Mitglieder.
Eine Sache möchte ich jedoch korrigieren: “Offizielles Schweigen” herrschte nur von eurer Seite. Wir haben alles versucht, um Brücken zu bauen: Martin, Jana und ich waren - auf unsere eigene Initiative hin! - vor ein paar Wochen bei euch im Landesvorstand und sind 1h lang Rede und Antwort gestanden. Für unsere vier Fragen war dann keine Zeit mehr, und wir haben auch danach keine Antwort bekommen. Zwei dieser Fragen waren Vorschläge, gemeinsam Veranstaltungen zu organisieren. Die organisieren wir jetzt halt alleine. Kurz nach dem Termin habe ich dich angerufen und dir angeboten, mich jederzeit zu kontaktieren, wenn ihr einen “Rückkanal” braucht, oder auf einen Kaffee zu gehen - unsere Büros liegen drei Blocks auseinander. Davon hast du erst heute Gebrauch gemacht. Zur kommenden Podiumsdiskussion mit Robert Menasse und Klaus Werner-Lobo (bei der keiner der Initiatoren/innen am Podium sitzen wird) haben wir Markus Rathmayr - scharfer Kritiker der Vorwahlen - und Angela Stoytchev eingeladen. Beide sitzen im Vorstand. Auf Einladung der Grünen Andersum habe ich die Vorwahlen bei einem Andersrum-Treffen präsentiert - von anderen Teilen der Grünen gab es keine Einladungen. Zuletzt gab es vier öffentlich angekündigte Veranstaltungen, zu denen auch jedes Mal Grüne kamen. “Schweigen” schaut anders aus.
Das nur am Rande - was zählt, ist dass ihr offen damit umgeht. Dass es im Moment etwas länger dauert, die Unterstützer/innen offiziell aufzunehmen, kann ich sehr gut verstehen. Andere sind da ungeduldiger, aber ich habe keine Sorge, als Unterstützer von den Grünen abgelehnt zu werden.
Ich bin froh, dass die Grünen Vorwahlen bereits jetzt so hohe Wellen schlagen und freue mich auch über diese direkte und ehrliche Reaktion von „oben“! Einem Punkt muss ich allerdings widersprechen:
Ein Beitrag im Web über die Grünen ist, wenn auch indirekt, Kommunikation mit den Grünen. Möglichkeiten, darauf zu reagieren, gibt es ja nun wirklich reichlich. Ein Beitrag im Web über die Grünen ist darüber hinaus auch Unterstützung für die Grünen, egal, ob es sich dabei um Lob oder Tadel handelt. Es war wohl noch nie so einfach zuzuhören, was die WählerInnen so denken.
Außerdem muss ich auch anmerken, dass die letzte direkte und sehr deutliche Kommunikation mit den Grünen, nämlich der Ausgang der letzten paar Wahlen, aus meiner Sicht noch nicht wirklich gefruchtet hat.
mich nervt das ganze langsam!
wären die ressourcen, die zeit, die arbeit, die energie … die in diese “kampagne” gesteckt wird nicht sinnvoller im politischen kampf gegen den rechten rand invetsiert gewesen?
sollten die grünen sich nicht besser darum kümmern, gescheit opposition gegen tot/schwarz zu machen? sich etwas gegen fpö & bzö einfallen zu lassen?
stattdessen müssen sie jetzt zeit arbeit energie investieren, um sich mit dieser kampagne auseinander zu setzen, deren motivation mir noch immer schleierhaft ist.
wem nutzt diese kampagne? ich denke diese frage sollte mal ehrlich gestellt werden. basisdemokratie hin und her: wer was verändern will, soll in die parteiarbeit gehen, und nicht an einem tag bei einer abstimmung mitmachen wollen. um wen wohin zu wählen? um wen zu verhindern?
strache & co reiben sich breit grinsend die hände! danke für diese kampagne: wir wussten eh nicht wohin mit unserem engagment!
ich
kein parteimitglied, sondern nur grün-wähler
Ich finde diesen Brief einmal ein gutes signal.
Ich denke, dass hier vor allem beachtet werden muss, dass das “Instrument” der Unterstützer/innen noch nie in diesem Umfang zur Anwendung kam und dafür wohl auch bei seiner Erschaffung nicht konzipiert war. Dadurch kommt es jetzt notwendigerweise wohl zu einer Diskussionsphase.
Diskussion alleine als genug Mitarbiet zu rechnen… naja.. auch mein Banknachbar diskutiert viel, laut und gerne über die Grünen, ist aber gleichzeitig tiefblau gefärbt.
Helge hat schon viel mehr getan als nur zu diskutieren. Diese öffentlichenVeranstaltungen zB sind sicherlich mehr als genug Mitarbeit für die Anerkennung als Unterstützer.
Ein bisschen mehr als ein Blog-Eintrag (so sehr ich Blogs schätze, wirklich!) sollte schon verlangt werden dürfen, bevor ein Stimmrecht erteilt wird. Es mus absolut nichts großes sein, aber irgendeine substanzielle Art der Unterstützung muss denke ich eben erkennbar sein.
@Robert,
ich habe leider gerade keine Zeit auf deinen Beitrag zu antworten, bin aber über manche Aussagen darüber, wie du die Position der Grünen siehst ziemlich überrascht. Ich kann ganz allgemein als Grün-Sympathisant sagen: Ich erwarte mir wie viele andere mehr von euch, als von anderen Parteien. Seht es als Last oder seht es als etwas Gutes, das sei euch überlassen. Aber erwartet nicht, dass ich mich mit weniger als meiner Erwartung zufrieden geben. Ich werde voraussichtlich in den nächsten Tagen eine ausführlichere Antwort geben.
@ich
Diese Aktion ist für mich keine Alternative zum Kampf gegen Rechts und gegen die trägen “Groß”parteien. Es ist bereits der Kampf gegen genau das.
Warum?
Die Grünen hätten hier die ‘Möglichkeit, dass sie ihr wie ich glaube fast durchwegs gutes und sympathisches Personal mit sehr wenig Bemühungen hunderten interessierten Menschen vorstellen und näherbringen könnten. Hunderte Menschen die aktive Unterstützer sind und sein möchten - wenn auch nicht auf die Art der klassischen Parteiarbeit - und die sicher auch mit Bekannten und Freunden über Politik reden und Überzeugungsarbeit leisten.
Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen offensichtlich aber jetzt von den Grünen ein Bekenntnis zu den eigenen Grundwerten erwarten. In meinem Fall, weil sie in den letzten Jahren nicht immer den allerbesten und frischesten Eindruck erweckten.
Diese Leute könnte man mit einer offenen Kommunikation, mit einer freundlichen Begegnung ganz einfach nahe an sich binden und für sich nutzen (ganz zu schweigen, was eine positive Reaktion auch für ein Medienecho hervorrufen würde, wo sich die Grünen positiv von allen anderen Parteien abheben könnten). Gegen Rechts. Gegen die Republiksvereinnahmer.
Mit jedem Tag an dem man überlegt, ob man diese hunderten interessierten Sympathisanten lieber vor den Kopf stoßen möchte, als sich mit ihnen zweimal auf ein Bier zu treffen und sich ihnen vorzustellen, verliert man einen Teil dieser Menschen. Und sie einen Teil ihrer Überzeugung, dass die Grünen wirklich anders sind.
Ich halte das für politische Dummheit.
Ich selbst hätte mir nach meinen bisherigen, ausschließlich positiven Erfahrungen mit Menschen aus dieser Partei erwartet, dass sie diese Initiative aus Überzeugung mit offenen Armen begrüßen (manche haben das getan). Mir wäre nie in den Sinn gekommen, dass da so ein zögerlich-ängstlich-konservatives Herumlamentieren entstehen könnte, in der einE GemeinderatIn die Interessierten gar als lahmarschige “Eisenhintern” hinstellt.
Diese Reaktionen vermitteln nicht den Eindruck, als gäbe es hier eine Bewegung mit mutiger, positiver Energie und progressivem Drang - mit dem Verständnis, dass man im Wind der Veränderung eher Windmühlen als Windnetze aufbauen sollte. Und das wirft eine Frage auf: Möchte ich Leute, die eine so offensichtliche Chance nicht sofort für sich nutzen, eigentlich wirklich in der Politik haben?
Und darum kommt diese Initiative genau zum richtigen Zeitpunkt. Und darum ist sie für mich wichtiger und vielsagender, als alles andere was die Grünen im Wahlkampf tun könnten.
In den USA kann sich auch jeder als Wähler von GOP oder Demokraten registrieren lassen und bei der Listenerstellung mitbestimmen. Warum nicht in Österreich?
Nein zur Kaderpartei, ja zur Basisdemokratie!
@Robert: ich freue mich, dass eine offene Auseinandersetzung nun auch mit Deinem Brief Realität wird und möchte auf ein paar Zitate von Dir, die mir beim Lesen aufgefallen sind näher eingehen. Insgesamt freut mich der freundliche, offene Tonfall jedenfalls sehr, das soll nicht untergehen, wenn ich nun folgende Punkte nenne:
Das hat mich offen gesagt recht erstaunt, auch wenn ich es schon in einen Zusammenhang mit der Entstehungsgeschichte der Grünen bringen kann… Kannst Du mir das bitte nochmal erklären?
Meine Frage: was unterscheidet diejenigen, die jetzt UnterstützerInnen über Bewerbung durch die “Grünen Vorwahlen” werden wollen von denjenigen, die es bisher auf Basis Eurer KIWI Werbestrategie wurden?
Ich habe das etwas anders in Erinnerung. Wir haben auf die diesbezügliche Frage beim Treffen im Landesvorstand geantwortet, dass die Aktion vermutlich “zerredet” worden wäre, wenn wir sie vorgeschlagen hätten und es weiters aus unserer Sicht unerlässlich war sie “von unten” zu starten. Mein Eindruck war, als ich in die Runde blickte, dass beide Begründungen grosse Zustimmung im Raum auch unter den Grünen fanden. Es schien jedem nachvollziehbar, aber das ist natürlich mein subjektiver Eindruck der Situation. Wenn ich mich nicht irre, dann sagt das über unsere Herangehensweise finde ich lediglich aus, dass wir die Situation realistisch eingeschätzt haben.
Kannst Du mir das nochmal genauer auseinandersetzen? Worin genau liegt diese Tonalität, auf die ihr empfindlich reagiert? Etwa weil wir sagen, die Grünen brauchen Veränderung? Das sagen auch viele Mitglieder… Oder weil wir plakativ formulierte Kritik daran üben, dass Abgeordnete in Österreich nur von ihren Parteien abhängen und nicht mal ein Ministückweit von ihren Wählerinnen und Wählern direkt? Bist Du diesbezüglich anderer Meinung? Mehr fällt mir jetzt im Moment nicht ein…
Lg,
Martin.
Da sich außer mir noch keiner drüber explizit gefreut hat:
300 Unterstützer! Wow!
Dann haben die Grünen Vorwahlen wohl viel weitere Kreise gezogen, als wir in unseren kühnsten Träumen gehofft haben!!!
@jana: möchte dein glück nicht trüben, aber von den 300 anträgen sind gut 2/3 von einer gänzlich anderen initiative mit komplett anderen beweggründen. das macht ja das ganze prozedere derzeit noch schwieriger (siehe zutreffende beschreibung von robert korbei).
lg
angela
Hallo Robert,
danke für das ausführliche Statement!
Du sagst:
Da würde ich gerne wissen: Was ist denn jetzt “Mitarbeit bei der Partei”?
Ist damit jetzt das immer wieder erwähnte Zettel verteilen oder Plakatständer schleppen gemeint?
Was stellen sich die Grünen unter “Mitarbeit bei der Partei” vor wenn es nicht “Grüne Inhalte vertreten, für sie zu kämpfen und sie zu verteidigen” ist?
Könntest du das bitte an konkreten Beispielen erklären?
Zum Thema Kommunikation: Das tolle am Internet ist, dass es, anders als z.B. bei Printmedien, die direkte Antwortmöglichkeit gibt.
Den Bloggern/Twitteren/Facebookern/im Internet aktiven vorzuwerfen sie würden nicht mit euch kommunizieren finde ich sehr gewagt. Wer will kann da jederzeit antworten (was ja auch teilweise passiert ist) und kommunizieren. Da die Schuld den UnterstützerInnen/WählerInnen zuzuschieben entspricht meiner Meinung nicht der Wahrheit, denn genau die haben ja versucht zu kommunizieren, man muss halt nur antworten, damit ein Diskurs entsteht.
@angela kennt man die beweggründe der anderen initiative? und ist die andere initiative nicht vielleicht von den grünen vorwahlen inspiriert worden? wir haben ja keine agenda als die, die grünen für uns und andere zu öffnen und sie zu unterstützen. wenn sich welche anschließen, um die grünen zu unterstützen, ist das doch eine tolle sache!
@martin: Sehr gut, das sind genau die Punkte die mir beim Lesen auch aufgefallen sind. Hast mir damit einiges an Schreibarbeit erspart.
@jana: leider hat die andere initative ein ganz anders motiv. es handelt sich um einen mann aus einer bestimmten community, der innerhalb dieser community unterstützungserklärungen gesammelt hat, mit dem einzigen ziel (das “werbe”mail liegt uns vor), ihn in den landtag zu bringen. selbiges, so hörten wir, hat er vorher angeblich schon bei der spö probiert, dort halt nach “spö-system”. also doch ziemlich anders geartet als eure initiative.
Ich habe mich schon lange mit dem Gedanken gespielt, Unterstützer der Grünen zu werden. Neben dem Job bleiben nicht viele Ressourcen für politischen Aktivismus, der Unterstützerstatus ist da ein interessanter Mittelweg zwischen z.B. regelmäßiger Mitarbeit auf Bezirksebene und alle paar Jahre Kreuzerl machen.
Die Vorwahlen-Initiative war nun der Anstoss, das Vorhaben in die Tat umzusetzen.
Ich habe überhaupt keine Agenda, keinen Kandidaten den ich unbedingt pushen möchte. Mir geht es darum, ein genaueres Bild von den Kandidaten zu bekommen und auf Kandidatenseite das Bewusstsein zu fördern, dass sie sich ihren (Vor-)Wählern gegenüber mit politischen Inhalten definieren müssen. Bei den letzten Wahlen hatte ich mal das Kandidaten-Selbst-Vorstellungsheft durchgeblättert: das war ja eher dünne Suppe.
Freilich lege ich keinen Wert darauf, ob ein zukünftiger Abgeordneter auch jahrelang die Grüne Partei durch Basisarbeit&Systemerhaltung (Folder verteilen, …) unterstützt hat. Mich interessiert nur die politische Message und die Fähigkeit diese Umzusetzen.
Es ist daher schon richtig, anzunehmen dass sich die Wahlmotive vieler Vorwähler von den Motiven der etablierten Parteimitglieder unterscheiden.
Ich wünsche dem Grünen Landesvorstand noch viel Vergüngen bei der Entscheidung, wie mit den Vorwählern umgegangen wird. Werden wir abgelehnt, werden viel Engagierte sich enttäuscht abwenden - werden wir akzeptiert beginnt eine neue Qualität politischer Organisation.
Ein netter Brief über weite Strecken. Aber ein paar Anmerkungen sind nötig:
Man sollte vielleicht nicht all zu sicher sein, dass Menschen, die Plakatständer geschleppt haben und Infostände bei jedem Wetter gemacht haben, ausschließlich in den Reihen der Partei sitzen - und nicht auch in der losen Gruppe der Unterstützer (&-innen).
Man sollte vielleicht nicht voreilig dvon ausgehen, diese UnterstützerInnen hätten bislang noch nie Ihre Unterstützung angeboten oder eingebracht.
Man sollte vielleicht nicht voreilig davon ausgehen, dass Flugzettel verteilen heute die beste Unterstützung sind. Wirklich! Ich meine, hey, diese Initiative ist von Bloggern gestartet - bessers geht’s doch nicht!
Man könnte ruhig mal ein paar Gedanken daran verschwenden, was zwischen “Rettet den 2. Baum von links in der Augartentstraße” und “The Green New Deal” alles FEHLT. Alles MÖGLICH wäre. Und Sinn machen würde. Da passt ja wohl mehr als Löschblatt dazwischen. Und dazu gibt es vielleicht mehr Ideen und konkrete Angebote in den Reihen der Unterstützer-, Symphatisant- und WählerInnen, als der eine oder andere Bezirksrat beiderlei Geschlechts für möglich hielte.
Man sollte vielleicht mal gut drüber nachdenken, ganz in Ruhe, ob eine Bewegung die gar nicht Regierungsbeteiligung erreichen und Verantwortung in der Gestaltung tragen will - ob das überhaupt eine Partei sein muss. Ich als Wähler tu mir langsam schwer, so jemanden zu wählen.
Mit den Anmeldungen der UnterstützerInnen sollte man jedoch nicht all zu zögerlich sein und die Sache nicht noch weiter in die Länge ziehen. Grün sollte kein Synonym für “behäbig” sein.
Im Übrigen finde ich jede Art von Wehleidigkeit oder Kritik am Wähler (und was sind Unterstützer anderes?) unprofessionell und überflüssig. Finden Sie nicht?
Ein Politiker sollte mal zuhören können, nachdenken, und dann danach trachten die neuen Standpunkte, Personen oder Gruppen mit einzubeziehen - denke ich. “Warum habt Ihr uns nicht kontaktiert?” ist deshalb die falsche Frage.
Die Frage sollte sein: “OK. Was können wir Gutes draus machen?”
Noch eine Nachtrag fällig:
“…Insbesondere keine substantielle Bereitschaft zu verstehen, dass die Tonalität von Vorwahlen eine starke Kritik an vielen Grünen ist. Und es ist schwierig zu verstehen wie man Teil von etwas werden will, wovon man sich so strikt abgrenzt.”
Wenn der Landesgeschäftsführer der Wiener Grünen der Meinung wäre, die grüne “Bewegung” in Wien wäre in ihrer vollsten Blüte, höchst erfolgreich und weder inhaltlich noch sonstwie perfekter vollstellbar - dann könnte ich diese Sätze verstehen. Und nachvollziehen.
Wenn der Landesgeschäftsführer der Wiener Grünen aber der Meinung wäre, dass manches NOCH besser sein könnte, ganz allgemein gesprochen, dann könnte er ja Kritik auch als Ressource in dieser Entwicklung sehen. Das wäre meine Hoffnung.
Dann könnte er vielleicht sehen, dass das keine Kritik von “Aussen” ist. Dass dieses “Aussen” nur in den Köpfen derer existiert, die irgendwo “drinnen” sitzen (Bewegung…?) und dass die Partei der Grünen ausschließlich aus dem einen und einzigen Grund existiert: Weil es Menschen gibt, die sie wählen. Aus Liebe. Irgendwie. Üblicherweise.
Und diese üblicherweise irgendwie Liebenden sehen natürlich genau das Haar in der Suppe, sind um so viel aufmerksamer als die weite restliche Öffentlichkeit, um so viel kritischer auch. Autsch. Mist.
Vielleicht, weil sie Anteil nehmen, weil es ihnen NICHT egal ist, weil sie vielleicht ein Ideal in sich tragen, das der Apparat der Institution nicht mal kennt. Nicht kennen kann. Weil die Struktur aller unserer Institutionen nicht unbedingt auf “Zuhören” ausgerichtet ist. Nicht von Haus aus. Nicht von selbst. Und selbst das Dialogbüro einem Symphatisanten/Wähler gerne mal ausrichten lässt, wo er nicht irrt, statt einfach mal zuzuhören und zu verstehen.
Wenn nun interessierte, engagierte Wähler (Liebende, s.o.) basisdemokratisch eine offene Tür in die Entscheidungsprozesse der Partei nutzen:, sollte man den Funktionären dieser Partei vielleicht wirklich vorsorglich sagen:
Fürchtet Euch nicht. Es wird nicht Sodom & Gomorrha ausbrechen. Aber habt bitte die Größe, Partizipation wirklich zuzulassen und auch Kritik Eurer Wähler nicht zu scheuen. Vielleicht ist sie ja positiver, als Ihr glaubt. Uff. Und vielleicht gibt das ja einen positiven Impuls. Obama-Effekt, Sie verstehen?
Es sind übrigens nicht die UnterstützerInnen, die sich abgrenzen. (Und wäre dies ein Makel?) Es ist die Partei, die sich zögerlich gibt. Das ist OK. Aber bitte nicht ZU viel Angst vor Partizipation haben. Wird alles gut gehen. Basisdemokratisch.
@angela hab da eine frage zu der “anderen” geruppierung, wie wisst ihr das da alle zusammengehören? wird da auch ein eigenes formular verwendet?
Danke!
@ Alexander Hrach:
Danke für diesen exzellenten Beitrag! Das Bild der Liebenden finde ich sehr gut getroffen.
@Helge Warum bist Du gelb?
@angela: dann könntet ihr euch doch darüber freuen, dass die gvw viele potentielle Gegenstimmen auftreiben.
@Martin: Weil ich (technisch) der Autor des ursprünglichen Beitrags bin, der wird hervorgehoben.
@Tom Schaffer und alle anderen die glauben die Grünen könnten den Kampf gegen Rechts gewinnen.
Träumt schön weiter.
Mit jetzigen Personal an der Spitze und dem aktuellen Parteiprogram kann man das Wachstumsprojekt Grün vergessen, dem kampf gegen rechts auch.
schaut euch die letzen wahlen an: verluste bei NRW08, heuer in kärnten, salzburg und AK-wahlen. und bei den euro-wahlen gibt’s die nächste auf den deckel.
bei den wahlen im burgenland 2010 steht der einzug auf dem spiel. und in wien wird es nicht leicht für vassi das letzte ergebnis zu halten.
viele von euch verkehren in alternativen kreisen und bekommen nicht viele mit von leben der anderen.
die drei wiener bezike mit grüner rel. mehrheit sind bundesweit gesehen nur ein tropfen auf dem heißen stein.
hier bei uns im osten wird gestohlen und eingebrochen wie nie zuvor. das ist die wahrgenommene/subjektive realität. wie es objektiv aussieht ist wahltechnisch wurscht. der wahler entscheidet aufgrund seiner meinung und nicht nach objektiven kriterien.
Grüne querdenker sind entweder nimmer bei den grünen und haben die hosen voll und sagen nix.
wir werden zugeschüttet mit politsprechebrei ala etablierte parteien.
das projekt vorwahlen ist gut , doch wenn es dadurch nicht gelingt die spitzenkandidatinnen des establishments rauszuschiessen wird der einfluss aufs wahlergebnis ein kleiner sein.
Die Grünen ruinieren sich auch in der ökofrage. glühbirne muss quecksilberniedrigenergielampe weichen. die grünen klimaschutzprediger wollen es so. Klimaschutz ist nicht immer umweltfreundlich.
Weiter so. Es lässt sich auch in der Stagnation gut leben.
siehe: We are Family
Das sollte aber ein primäres Ziel sein:
a) Wahlen zu gewinnen.
b) sich an Regierungen zu beteiligen
Natürlich wird man nicht jede Regierungsbeteiligung eingehen, aber jene, wo Kompromisse möglich sind. Denn eines sollten auch die Grünen sich bewusst sein: Man kann Gesetze nur verändern, wenn man der Regierung angehört. Das Parlament hat da fast keinen Einfluss (ausgenommen Verfassungsgesetze), leider, aufgrund dem Clubzwang, und der einzigen Wahl, die Parlament und Regierung bestimmen soll. Wären das getrennte Wahlen, gäbe es gewisse Unabhängigkeit und könnte es auch mehr Kontrolle für Oppositionelle geben.
Wollen die Grünen für die Wähler da sein, oder eine Partei wo Macht verteilt wird?
Und da finde ich es sinnvoll, wenn angehende Wahlkandidaten sich auch vor dem Wähler präsentieren müssen, ihre Einstellungen darlegen, ihre Ziele und eventuelle Projekte, die sie verwirklichen möchten. Schließlich hat ja auch unter den Grünen jeder andere Persönlichkeit und Prioritäten. Natürlich sind die Grundsätze bei allen gleich. Aber die Individualität macht den Unterschied.
Besteht nämlich ein Kandidat vor dem Wähler in Vorwahlen, kann man davon ausgehen, dass die Grünen auch bei Wahlen mehr Erfolg haben werden, da die Kandidaten akzeptiert werden.
Das ist eben so wie ein Bewerbungsverfahren, und so als solches sollte es gesehen werden. Da geht es nicht um Machtverteilung, sondern das Ziel muss es sein: grüne Ziele zu verwirklichen. Und das kann man nur mit vom Wähler akzeptierten Kandidaten.
Denn z.B. wegen der Lunacek werde ich wohl bei der EU-Wahl nicht grün wählen, denn als Spitzenkandidatin, die auch in gewisser Weise die Richtung in der EU-Wahl vorgibt, ist sie für mich nicht tragbar, denn ihre individuellen mit grün abgestimmten Themen haben eine von ihr und der Partei gewählten Priorität. Und diese stimmt nicht mit meinen Vorstellungen überein. z.B. die Glawischnig hat einfach einen anderen Stil, eine andere Persönlichkeit, Charakter, Einstellung und auch andere Prioritäten als der Van der Bellen. Und das ist aber wahlentscheidend, denn ein Spitzenkandidat gibt die Richtung, den Stil, die Prioritäten, etc. der Partei vor (natürlich abgestimmt mit den Leuten innerhalb der Partei).
Und entfernen sich die Grünen von den Einstellungen ihrer Wähler, ist auch das wahlentscheidend.
Außerdem warum soll ein x-beliebiger intern gewählter der Öffentlichkeit unbekannter in den Gemeinderat einziehen? Wodurch soll dann der Wähler wissen, ob wirklich grüne Ziele durchgesetzt werden?
@max: ja, auch kuverts, postamt etc.
Die Gruppe der “VorwählerInnen” über einen Kamm scheren zu wollen, gegen ihre Unterstützungserklärungen den Generalverdacht zu erheben, nur weil sie über den Kanal des Vorwahl-Projekts die Grünen erreicht haben, grenzt an Sippenhaftung.
Auszug aus folgendem Artikel:
http://glattundverkehrt.wordpress.com/2009/05/11/von-der-kunst-aus-unterstutzern-mitglieder-zu-machen/
Man richte seine Aufmerksamkeit auf die Sequenz “mitarbeiten und mitentscheiden will”. Auf die Bekundung des Wollens kommt es an und genau das tut man bereits durch seine Unterstützungserklärung.
Verzeihung, dass es wieder mal so lange gedauert hat, aber mit heute ist mein Anteil am EP Mailing erledigt.
@ helge, walter und max: Wahrscheinlich ist das ein Thema für das Barcamp meets Open House. Aber es erstaunt mich was in euren beiden Kommentaren als ofizielle bzw. überhaupt als Kommunikaiton durch geht. Mal ganz davon abgesehen, dass beim hinterlassen von Texten die unter Internetadressen abgerufen werden können die meisten Ebenen von Kommunikation so wie ich sie kenne einfach fehlen: Wenn ich den Christoph richtig verstanden habe, dann arbeitet ihr mit so kleinen automatischen Benachrichtigungen, die sich melden wenn irgendwer zu einem bestimmten Thema etwas hinterlassen hat. Das finde ich richtig gut. Aber ich und der Großteil von uns arbeitet nicht so.
Und auch die Sprache, die benutzt wird und der Stil, auch bei der Aufdeckung des Generatormisbrauchs aus der Lindengasse, war einer der sich nicht an die gerichtet hat um die es geht, sondern der Allgemeinheit berichtet hat, was vorgefallen ist. Deshalb nenne ich das Kommentierung.
@ ich: deine Sorge ist hoffentlich unbegründet. Tatsächlich beschäftigen wir uns auch noch mit allen anderen Dingen, wobei die drei Wahlen, die gerade laufen wohl die meisten Ressourcen fressen. Aber gerade diese Woche haben wir eine Kampagne gegen die Tariferhöhung bei den Wiener Linien gestartet und am Donnerstag (14. Mai) werden wir den braunen Marsch auf das Rathaus dagegen halten. (Jetzt müßte ich technisch wohl in der Lage sein das Wort Marsch als link zu benutzen. Vielleicht geht es aber auch, wenn ich sage, dass es etwas dazu auf der Wegsite der Wiener Grünen gibt)
@ Martin Schimak
Ich versuch es mit einem konkreten Beispiel, dass uns immer wieder beschäftigt und trotzdem noch relativ einfach zu besprechen ist: das Thema Verkehr. Wir wissen aus diversen Meinungsforschungen, dass unser Kampf für mehr Platz und Vorrang für alles was nicht ein Privatauto ist tatsächlich Menschen davon abhält uns zu wählen. Weil sie finden, wer gegen Volksgaragen ist, der will alle Autos abschaffen. Jetzt stellt sich die Frage, ob wir hergehen sollen und zur Stimmenmaximierung diese Inhalte einfach zu ändern. Es bliebe ja noch genügend für eine volle Grüne Identität über. Und so viel sei aus der momentan laufenden Strategiedebatte verraten: wir werden es nicht tun.
Der Text der unter der Bezeichnung Kiwi gestanden ist, entspricht der Haltung der Grünen Vorwählerinnen. Da wir in unseren Debatten drauf gekommen sind, dass wir das aber eigentlich anders sehen, wurde der Text jetzt geändert. So weit ich das mitbekommen habe, hat es dazu ja auch Hinterlassungen im Internet gegeben.
Meiner Einschätzung nach geht es um ein Verhältins von “sich einbringen” und “mitbestimmen wollen”. Oder anders gesagt: Basisdemokratie ist nicht nur das Recht einen Teil der Macht auszuüben, sondern auch die Pflicht einen adequaten Teil der Arbeit und Verantwortung zu tun. Und weil bei den Grünen sehr viele Menschen für wenig Dank und keinen Lohn sehr viel dieser Arbeit tun ist es für diese Menschen eine Herausforderung zu akzeptieren, dass andere ohne einen Beitrag dieser Parteiarbeit ihren Anteil an der Mitbestimmung fordern. Die gute Nachricht ist: das ist nicht die Einzige organisatorische Beleidigung derer sie ausgesetzt sind.
@ max: Was ist Mitarbeit bei der Grünen Partei
Vieles, aber im Kern geht es wohl um drei Bereiche: erstens die Bereitschaft Zeit und Energie in eine ständig sich entwickelnde Auseinandersetzung um unsere Politik zu investieren. Zweitens die Bereitschaft die Zumutungen die eine Organisation immer ihren Individuen bedeutet, auszuhalten. Drittens auch das aktive Kampagnisieren wo, wann und wie auch immer. Und Viertens im Falle von neuen Menschen: die Frechheit aushalten, dass diese blöden Grünen echt nicht auf euch gewartet haben.
@ Ulrich
Dass unsere bisherigen Kandiatinnenvorstellungen eine eher dünne Suppe waren, wissen wir. Wir werden das dieses mal auch deutlich weiter entwickeln. Im September soll die Präsentation unserer Kandidatinnen im web und für alle zugänglich gestartet werden. Und für die, die das wollen, auch so, dass in einen Dialog getreten werden kann.
@Alexander Hrach:
Nun, rein Formal hatten wir bis jetzt ungefähr 30 - 50 Unterstützerinnen in 5 Jahren angesammelt. Was sich also an Aktivitäten von dieser Seite abgespielt hatte haben wir im Überblick.
Womit du recht hast ist, dass wir das was du aufzählst auch als unterstützenden für die Grünen empfinden. Und uns natürlich unglaublich freuen, wenn Menschen kommen und all das tun. (Wobei es sicherlich einen Mangel unsererseits gibt, diese Freude auch tatsächlich umzusezten). Aber darum geht es in dieser Debatte gar nicht. Es geht nicht darum wer uns wie in der Arbeit unterstützen möchte. Es geht darum wer unsere Listen erstellt.
Und sollten wir bis jetzt den Eindruck erweckt haben, mit Kritik nicht umgehen zu können, dann kann ich das ja jetzt für dieses mal gut machen und sagen: Kritik ist mehr als notwendig, daran Lernen noch viel mehr. Aber auch darum geht es in der Debatte nicht.
@ adi: Die Grünen sind nicht für eine Partei da die Macht verteilt, sondern sie sind eine Partei, die Macht verteilt, auf bescheidenem Nivau aber doch. Natürlich wollen wir über Regierungsbeteiligungen Gesetze verändern. Dass das allerdings der einzige Weg ist, stimmt nicht, gerade im Europäischen Parlament hat sich gezeigt, dass es auch anders geht. Es geht uns einfach um eine saubere Trennung zwischen Ziel und Mittel zum Ziel. Wahlgewinne und Regierungsbeteiligungen haben nur etwassehr Zielhaftes, selbst wenn man sie als Mittel betrachtenwill.
@ Albert Yong
Ja, genau das ist ein Gegenstand der Debatten, die wir führen.
Allerdings ist es irgendwie nicht leicht eine Gruppe nicht als Gruppe zu sehen, wenn sie als Gruppe auftritt. Gerade dann, wenn alle sagen, es gibt keine Sprecherinnen, keine Organisation und sonstwas. Da bleibt dann nur die Gruppe.
Hallo Robert,
Danke dass Du es nach immerhin fünf Tagen geschafft hast auf die Diskussion zu Deinem eigenen Offenen Brief zu reagieren. Du schaffst es sehr elegant wiedermal genau nichts auszusagen und unverbindlich zu bleiben.
Die Grünen bleiben also eine Blackbox (schönes Farbenspiel!-), deren Kommunikationsvorgänge nicht vollziehbar sind und versuchen lediglich den Konflikt zu beschwichtigen, aber nicht zu lösen.
lG Gerald.
@Gerald Bäck
Tatsächlich sind die Grünen eine Blackbox, so wie die meisten Organisationen. Und weil ich das weiß versuche ich hier mein Bestes. Schade, dass es für dich nicht gut genug ist. “Elegant und unverbindlich” muß ich hinnehmen, weil das ja ein Ergebnis der greenblackbox ist und wenn dir mein Text nichts sagt liegt und steht das wohl mal hauptsächlich zwischen uns.
Aber “beschwichtigen” nehm ich nicht. Der Ursprungsbrief und auch mein Kommentar greift die wichtigsten Konfliktfelder auf und versucht sie von unserer Seite aus zu erklären. Wenn ich deiner Meinung nach wichtige Dinge ausgelassen habe, dann her damit.
Vielleicht findest du die Aussage nicht beschwichtigend, dass ich vermute du findest das alles beschwichtigend weil du dich nachher nicht mehr so schön aufregen kannst über die Grünen wie sonst?
Hochachtungsvoll
Robert
@Robert Korbei
ich denke, ihr seid Euch selbst noch nicht sicher, ob ihr Euch trauen sollts oder nicht, Unterstützer bei der Wahl der Kandidaten zuzulassen. Deshalb diese zurückhaltenden, etwas “schwammig formulierten” und etwas wenig eindeutigen Worte.
Und das ist nicht so gut. Schließlich war der Typ Kiwi sehr eindeutig definiert. Und dass man das einfach umdefiniert aufgrund der Tatsache, dass diese Aktion gestartet wurde, bzw. sich viele da angemeldet haben, ist auch nicht so gut. Dieser Schritt wurde zumindest wenig überlegt getan, da der Kontakt zu den Unterstützern davor nicht stattfand.
Ein kleiner Sprung:
Für mich ist Mitarbeit auch am Diskurs teilzunehmen, aber auch auf Probleme hinzuweisen, direkt mit Politikern Kontakt aufzunehmen, mit Freunden darüber zu diskutieren und sie für etwas zu überzeugen, usw.
“der Haken an Vorwahlen die Mitarbeit bei der Partei ist. ”
Ob das wirklich der Haken ist? Habt ihr zu wenig Personal an Zettelverteilern?
Oder zu wenig Grün-Aktivisten, die einen Stand betreiben? Also ich hab da nicht so den Eindruck, dass es da zu wenige Menschen dafür gibt.
Mitarbeit finde ich, sollte eher nicht so streng mit Zettel verteilen oder dergleichen gesehen werden. Es wäre sogar kontraproduktiv das als Pflicht anzusehen. Aber wenn ihr z.B. einen Aufruf macht, dass Unterstützer freiwillig an verschiedenen Aktionen teilnehmen können und das unterstützen, würden sich sicher welche melden. Das ist einfach ein ganz anderer Zugang zur Sache! Ein positiverer Zugang.
Ein Unterstützer ist auch ein besserer Unterstützer, wenn er nicht Mitglied ist, und ein wenig ein Außenstehender ist, der die Sicht von außen mit in die Partei hineinbringt, um “Kasterldenken” einzuschränken und neue Blicke auf eine Karte zu werfen. Ein Ass hat auch zwei Seiten. Grüne Unterstützer sind ein Teil der grünen Wähler.
Und noch ein Tipp:
Es wäre auch der Sache dienlich, wenn dazu groß angelegte öffentliche Diskussionsrunden zu verschiedenen Themen veranstaltet werden, offiziell von den Grünen und nicht von den Vorwahl-Initiatoren. Diese Diskussionsrunden sollten dazu sein, vor allem die Sicht der Unterstützer einzubringen und mit grünen Politikern darüber zu diskutieren.
Das ganze kann man natürlich auch weiterführen mit allen Wählern. >> so ähnlich wie Club2 oder so, oder anders. Um es zugespitzt zu formulieren: Warum findet der Kontakt mit dem “Fußvolk” immer erst vor den Wahlen statt?
@adi
Ja, unsicher sind wir uns, ich dachte das ist klar aus dem Brief zu lesen. Dass der Typ Kiwi aus unsere Sicht falsch definiert war, war ein Fehler. Den Text aber nicht zu ändern hätte den Fehler verlängert.
Eigentlich haben wir nicht genug Folderverteiler, aber ich habe auch nie behauptet, dass nur bei den Grünen mitmachen darf, der oder die auch Folder verteilt hat. Und, wie schon an anderer Stelle bemerkt: Bis jetzt hatten wir kaum 30 - 50 Leute in 5 jahren, die den Status Unterstützerinnen hatten. Also keine besonders bemerkensewerte Anzahl im Vergleich zu den Menschen die über das Open House gekommen sind oder Mitglieder geworden sind. Daher ist genau das die neue Situation für die Grünen.
Deinen Überlegungen zum Thema Beteiligen an Aktionen kann ich zustimmen.
Von Seiten der verschiedenen Vorwählerinnen wird aber geradezu betont, dass sie an nichts anderem Interesse haben, als mitzuwählen bzw. mit dieser Aktion und dem Eintereten für Grün im Netz und anderswo schon genug täten. Und so war der Status der Unterstützerin von uns aus einfach nicht gemeint.
Robert
“Von Seiten der verschiedenen Vorwählerinnen wird aber geradezu betont, dass sie an nichts anderem Interesse haben, als mitzuwählen bzw. mit dieser Aktion und dem Eintereten für Grün im Netz und anderswo schon genug täten.”
Also was ich bisher gelesen habe, ist das nicht so mein Eindruck. Aber ich gesteh, dass ich nicht alle Meinungen durchgelesen habe. Das was aber viele Vorwähler stören würde, denk ich, ist die Pflicht sich an Aktionen zu beteiligen.
(Schließlich muss da schon einen Unterschied zwischen Mitglied und Unterstützer machen. Sonst würden ja eh alle Mitglieder werden)
So Diskussionsveranstaltungen, wo Unterstützer Anliegen vorbringen können, oder einfach nur diskutiert wird über verschiedene Themen, glaub ich, werden sicherlich Früchte tragen können. Da wäre die Partei nahe bei deren Wählern. Und dabei kann man solche Veranstaltungen z.B. auch übers Internet austragen; und natürlich auch offline.
Was haben eigentlich diese bisherigen 50 Unterstützer so getan bzw. haben die von ihrem Wahlrecht schon mal Gebrauch gemacht? Und was hat sie als Unterstützer ausgezeichnet?
Vielleicht kannst du die bisher gemachten Erfahrungen darlegen.
~160 Unterstützer mehr, ist ja auch nicht die Welt, nur ~3mal so viel mehr.
(Bio-Diversität, Ethnische Diversität, Wirtschaftliche Diversität, Diversität bei der Energieversorgung, …) Das kann nur zu einer fruchtbaren Wahl führen. Ich bin mir sogar sicher, dass je mehr Unterstützer es gibt, die Qualität und auch eine breiterere Zustimmung es innerhalb der Partei und auch bei den Wählern gibt. Traut euch!
Und der Vorteil für euch Grüne Mitglieder, alle haben nicht 100%ig dieselbe Meinung, aber die Eckpfeiler und Ziele sind die gleichen. Diversität: das ist auch ein Grundbaustein für viele andere Anliegen der Grünen
Das was aber viele Vorwähler stören würde, denk ich, ist die Pflicht sich an Aktionen zu beteiligen.
Also was mich stören würde, ist, wenn mich jemand dazu verpflichten würde, auf der Straße zu stehen und tote Bäume (Flyer etc.) auszuteilen, während ich darauf warte, dass man vielleicht positiv über meinen Unterstützerantrag entscheidet.
Für andere Dinge bin ich durchaus offen.
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